Beziehung retten: Die ersten 2 Jahre sind entscheidend

Wir haben 2 Jahre Zeit. Dann ist klar, ob wir es schaffen oder nicht. Da sagt Ted Huston, Professor der Psychologie an der Universität von Texas. Huston untersucht in seiner Studie die Ursachen für Trennung und Scheidungen. Und damit auch wie wir unsere Beziehung retten können.

Beziehungsrettend ist laut Ted Huston

  1. die Anzahl der Jahre bevor wir heiraten, ebenso wie
  2. unsere Einstellung zu unserer Beziehung.

Was bedeutet das konkret für Deine Beziehung? Was mache ich wenn es gerade kriselt und ich nicht weiß was ich tun soll? Einige Antworten und Vorschläge dazu findest Du in diesem Blogbeitrag.

Wieso lassen Paare sich scheiden?

Was ist die Ursache für Scheidungen? In „4 Schritte bis zur Trennung“  und anderen Beiträgen habe ich die Resultate von John Gottman – einem bekannten amerikanischen Scheidungsforscher dargestellt. Nun gibt es aktuelle Resultate anderer Forscher. Neu daran ist, dass das Verhältnis frisch verheirateter Paare in den ersten 2 Jahren ihrer Ehe für die Beziehungsqualität entscheidend ist.

Ted Huston fand heraus, dass nicht Konflikt und Streit die Scheidungsursachen sind, sondern der Verlust des ursprünglichen Ausmaßes an Liebe und Zärtlichkeit. Dies führt zu mehr Streit, Auseinandersetzung und Konflikten.

Was bedeutet das für Dich und Deine Beziehung bzw. Deine Ehe?

Nicht die Streitvermeidung und Konfliktlösung sollte Dir am Meisten am Herzen liegen, sondern die Frage wie Du es schaffst die positiven Gefühle Deinem Partner / Deiner Partnerin gegenüber beizubehalten. Kleine Zeichen der Liebe im Alltag zu setzen ist die Herausforderung, die Paare miteinander meistern sollten. Dann kommt es – so Huston – zu weniger Streit und die Scheidungswahrscheinlichkeit nimmt erheblich ab.

Für mich sind diese Gedanken wenig überraschend. Seit einiger Zeit konzentriere ich mich auf das Thema Positive Kommunikation und wie ich diese in Beziehungen stärken kann. Für Paare ist es oft leichter bzw. erfolgversprechender die Anteile der positiven Kommunikation zu erhöhen anstatt an der Beseitigung der negativen Kommunikation zu arbeiten. Der Fokus auf die schönen Dinge, die ihr miteinander erlebt und erleben könnt ist oft erfolgversprechender als ein ernstes Gespräch, wo ihr euch gegenseitig Sachen an den Kopf werft. Dabei bleibt es wichtig Dinge auszusprechen, einander aktiv zuzuhören und die Sachen die wir hören zu entschlüsseln. Diese Kompetenz braucht es. Die andere Kompetenz zur positiven Kommunikation ist vielmehr eine Schlüsselkompetenz, die es uns erleichtert einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen und Nähe und Intimität zuzulassen.

Verlust der gemeinsamen Nähe / Intimität als Ursache  für Scheidungen und Konflikte

Zuerst fühlst Du Dich Deinem Schatz so nah wie keinem anderen Menschen. Diese Nähe nimmt mit der Zeit ab. Die gegenseitige Wertschätzung am Anfang einer Beziehung ist im Alltag kaum aufrechtzuerhalten. Am Anfang denkst Du dass nur er/sie weiß wie es Dir geht bzw. die Dinge so sieht wie DU bzw. Dich richtig versteht. Dann kommt der Reality-Check für viele. Die vielen kleinen Enttäuschungen die im Alltag zu dem Gefühl führen  „wir haben uns auseinander gelebt“.

Kommunikation im Alltag
Beziehungsstress: Kommunikation im Alltag

Welches Modell lebst Du in Deiner Beziehung?

In der Wissenschaft wird diese Alltags-Entzauberung als „Disillusionment“ bezeichnet. Mit anderen Worten, wir bauen am Anfang der Beziehung eine Illusion auf, die nicht aufrecht zu erhalten ist. Je kürzer die Zeit zwischen Kennenlernen und Hochzeit ist, desto eher ist dies der Fall.

Huston meint dazu, dass es ein anderes Modell als das Disillusionment Modell gibt, das Paaren weiterhilft. Er nennt es das „enduring dynamics model“: Paare entwickeln Beziehungsmuster miteinander, die die Beziehung auf Dauer stabil halten. Dabei soll dies die Paare darin unterstützen den Übergang von der „Romantischen Beziehung“ zur “ funktionierenden Partnerschaft“ gemeinsam zu meistern.

Das ist der größte Auslöser für Scheidungen

Laut Huston ist der Verlust des ursprünglichen Ausmaßes von Liebe und Zuneigung der größte Auslöser für Scheidungen. Damit sind es nicht die Konflikte, die Paare als Scheidungsauslöser erleben, sondern es ist der Verlust der Nähe und Intimität der davor geschieht.

Diese Erkenntnis sollte dazu führen, dass wir uns nicht auf die Lösung der Konflikte und Probleme stürzen, um Beziehungen „zu retten“. Vielmehr geht es darum die positiven Gefühle füreinander zu erhalten bzw. etwas dafür zu tun dass Intimität und Nähe wieder stattfinden und Platz haben.

Was kann ich tun, damit es meiner Beziehung besser geht?

Zuhören

Das klingt fast zu einfach, um wahr zu sein? Zuhören ist eine Fähigkeit, die wir im Laufe der Jahre einer Beziehung oft verlieren. Warum? Weil sich Kommunikation abnutzt. Ein weiterer Grund laut einer Studie ist, dass wir schleissiger werden beim Erklären je länger wir uns kennen. DAs macht das zuhören für den Partner schwieriger.

Wie kann mein Partner zuhören lernen?

Einander zuzuhören ist das Tor zu mehr Nähe und Intimität in der Beziehung. Schwierig daran ist es nicht selbst zu unterbrechen und Antworten im Kopf vorzuformulieren. Zuhören ist eine Kunst, die gelernt und wie ein Handwerk geübt werden muss, um aus uns Meister des Zuhörens zu machen.

Schritt 1: Aktives zuhören beginnt bei Dir selbst

Dein Partner lernt zuhören, wenn Du damit anfängst. Zuerst ohne viel dazu zu sagen. Versuche 3-5 Minuten zuzuhören ohne zu unterbrechen. Dann frage nach, wenn Du etwas nicht verstanden hast, oder ein Begriff entschlüsselt werden muss.

Schritt 2: Rollentausch

Wenn Du merkst, dass Du zuhören kannst ohne selbst im Kopf antworten zu formulieren, dann ist es Zeit für einen Rollentausch. Erst jetzt kommst Du aus der Deckung und erklärst Deinem Schatz, dass Du gerne etwas ausprobieren möchtest in Eurer Beziehung. Erkläre ihm/ihr dass es vielleicht am Anfang ein wenig schwierig ist und ihr daher Regeln braucht.

Die Regeln sind dieselben wie in Schritt 1. Einer hört zu, einer spricht. Antworten gibt es erst wenn eine Seite ganz fertig ist. Davor gibt es Fragen, um zu erläutern was nicht klar war (Entschlüsseln). Erst wenn Du das GEfühl hast genau verstanden zu haben, was passiert ist und wer was gesagt / gemacht hat, ist es Zeit für Schritt 3.

Schritt 3: Deine Antwort

Jetzt wird es spannend. Bei Schritt 3 geht es nicht um Deine Antwort. Es geht darum, herauszufinden, was Dein Partner / Deiner Partnerin von Dir will bzw. braucht. Geht es um

  • eine Lösung
  • zuhören (ohne Lösung)
  • eine Umarmung
  • ein Lob (xxx hast Du super gemacht, oder mir gefälllt besonders wie du……)

Finde es heraus, bevor Du selbst antwortest. Folge Schritt 1 bis Schritt 3 und Du wirst erleben wie es ist, wenn Dir jemand mit voller Aufmerksamkeit zuhört. Wie es ist wenn Du Interesse spürst und wenn es zu einem Dialog zwischen euch beiden kommt.

Was ist wenn es nicht funktioniert? Was ist wenn wir das mit dem  zuhören nicht schaffen? Bei Beziehungsstress steht oft Kritik, Abwertung oder Mauern als Reaktionsmuster im Vordergrund. Dies ist oft, weil sich schon so viel angehäuft hat. Dann hilft Euch eine begleitete Kommunikation. Dies kann durch Kommunikations-Werkzeuge aus dem Beziehungskoffer (Fragekarten) sein oder z.B. durch eine Mediation.

Der Beziehungskoffer – ein interaktives Kommunikations-Werkzeug für den Beziehungsalltag

Mit dem Beziehungskoffer kannst Du die oben beschriebenen Schritte spielerisch ausprobieren. Auf den Fragekarten sind alle beziehungsrelevanten Themen ebenso wie lustige Themen (Pantomime) abgebildet. Du suchst Dir selbst aus was Du machen möchtest. Willst Du Pantomime oder Wissensfragen, oder interessiert Dich aktives Zuhören und Entschlüsseln.

Der Beziehungskoffer

Hilfe von außen holen – Mediation

Wenn Paare zu mir in die Mediation kommen, um ihre Beziehung zu retten, dann fällt mir die Abwesenheit von Nähe und Intimität sehr schnell auf. Einerseits sehe ich vor mir, wie wenig sich die Paare einander zuwenden. Oft können sie sich kaum in die Augen sehen, wenn sie die Themen ansprechen sollen, die weh tun.

In der Mediation ist es möglich miteinander Lösungen zu erarbeiten. Oft ist dies für Paare zu schwer, wenn sie zu lange gewartet haben. Der Widerstand von einer Seite oder beiden Seiten ist sehr groß sich einer dritten Person zu öffnen. Ich kann dies gut nachvollziehen. Was mir viel mehr auffällt ist wie viel Verletzungen und Einsamkeit oft in die Beziehungen eingezogen ist.

Hier findest Du mehr Informationen zum Thema

Dein Beziehungskoffer – erlebe Nähe und Intimität miteinander

Im Beziehungskoffer findet ihr Kommunikationswerkzeuge und erhaltet die Gelegenheit spielerisch Eure Partnerlandkarte kennenzulernen. Oder falls es euch zur Zeit schwer fällt Eurem Schatz nette Dinge zu sagen: Probiert Happy Messages aus in der Spiele-Box für Paare.

Spiele-Box für Paare: Kleine Zeichen der Liebe für den Beziehungsalltag

 

Vom Hochzeitsglück zum Beziehunsglück
Beziehungsglück im Alltag erleben

Die Spiele-Box für Paare ist für den einfachen Einstieg, wenn es um positive Kommunikation im Alltag geht. Durch Happy Messages kannst Du jeden Tag schnell und einfach kleine Zeichen der Liebe setzen und erhalten. Mit den Spielkarten erlebst Du durch Pantomime, Selbstbild/Fremdbild und Wissensfragen einfach und unkompliziert wie Kommunikation erfrischend stattfinden kann.

Beziehung retten oder beenden?

Letztendlich ist und bleibt es Deine Entscheidung, ob Du die Beziehung retten willst oder einfach nicht mehr kannst und willst und die Beziehung beendest. Beziehung retten erfordert viel Geduld und Zeit mit Deinem Partner / Deiner Partnerin. Wenn Du erstmal die Partnerlandkarte kennst und Der Beziehungskoffer mit 7 Kommunikationswerkzeugen, wird die Beziehungsdynamik schneller positiv werden. Oft hilft es Paaren bei mir in der Mediation, dass sie miteinander über ihre Erwarungshaltungen sprechen. Wenn beide Seiten abklären, was sie sich wie, wann, wo und und warum voneinander erwarten, wird der Beziehungsalltag für beide Seiten klarer und machbarer.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Ausprobieren.

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