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2/3 der Paare suchen zu spät Hilfe für ihre Beziehung

In einem Artikel zu einem Ö1-Beitrag stolpere ich über folgende Aussage: Paare kommen zu spät in die Paartherapie. Meistens nutzt einer der Partner die Paartherapie, um „aussteigen“ zu können. Einer will sich trennen und macht halt mit. Damit es „smoother“ über  die Bühne geht. Gemeinsam schaffen Paare es selten rechtzeitig zu kommen.

Der Ton macht die Musik
Zuhören im Beziehungsalltag kann sehr schwierig sein

Laut diesem Artikel ist Paartherapie bei 2/3 der Paare (!) nicht erfolgreich und sie trennen sich danach. Somit ist Paartherapie eine Form der Kommunikationsbegleitung am Ende einer Beziehung.

Warum fällt es uns so schwer die Beziehung am Leben zu erhalten?

Was hindert uns daran die Beziehung zu pflegen? Hier sind die Aussage der Paare sehr unterschiedlich. Oft höre ich „Er/Sie hat sich verändert“ oder „Wir haben uns auseinander gelebt.“  Dies kann z.B. mit der Geburt eines Kindes zusammen hängen. Oder mit dem Tod eines Elternteils. Oder mit einer „Midlife-Crisis“, die immer früher zuschlägt. In vielen Fällen sind es externe Ereignisse, die unterschiedlich wahrgenommen werden. Innerhalb der Paarbeziehung geht es in fast allen Fällen jedoch um die Kommunikation. In den meisten Fällen schaffen es die Partner nicht eine gemeinsame Sprache und Sichtweise zu finden bzw. zu entwickeln. In allen Fällen ist die Abnahme der Kommunikationsdichte zu beobachten. Immer weniger wesentliche Worte, Berührungen legen sich wie schleichendes Gift über die Beziehung. Immer mehr nebeneinander leben statt miteinander leben.

Die Lösung

Was tun? Es gibt keinen „easy catch“, keine schnelle und einfache Lösung. Vielmehr gibt es Beziehungsarbeit, die es zu leisten gilt. Und diese beginnt mit Tag 1 der Beziehung.

  1. Den Partner sehen, hören und ernst nehmen. Die “ 4 apokalyptischen Reiter“ aus der Beziehung rausnehmen. Am Anfang ist dies  schwierig. Doch es geht. Ein Partner, der sich nicht angegriffen fühlt, kann einfacher zuhören. Ein Partner, der sich angegriffen fühlt, kann (leider) gar nicht zuhören. Und somit nicht eingehen auf das Gesagte. Und leider sich auch nicht darauf beziehen.

 

  1. Zuhören, zuhören, zuhören: Versuche Deinem Partner / Deiner Partnerin 3 Minuten lang zuzuhören, ohne dabei zu antworten oder sogar ohne an eine Antwort zu denken. Wenn das schwer fällt, dann mache es mit Beziehungs-Karten. Hier gibt es auch das Kommunikations-Instrument „Aktives Zuhören“. Das ist ein Kommunikations-Werkzeug, das gerne in Paartherapien genutzt und geübt wird.

 

Ein Geheimnis glücklicher Beziehungen: Zuhören im Bezhiehungsalltag
  1. Hilfe suchen: „Rechtzeitig drauf schauen, dass man hat was man braucht“ – ein Spruch, der auch für die Beziehung gilt. So ist z.B. 18 Monate nach der Geburt des ersten Kindes ein optimaler Zeitpunkt für externe Hilfe. Stelle Dir vor es ist wie ein schwieriger Job, in dem Du regelmäßige Supervision erhälst. Ein Setting, wo ein Mensch Dir / euch zuhört und dabei hilft die Kommunikation wieder in Schwung zu bringen. Dies kann durch eine Mediation erfolgen. Mehr darüber findest Du hier.

Nimm Deine Beziehung unter die Lupe. Auf welchem Stand ist bei Euch / bei Dir die Beziehungsarbeit? Gratis Tipps und Anleitungen zur Beziehungsarbeit findest Du hier.

 

Ich wünsche gutes Gelingen und viel Spaß!!

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Wieviel Kritik verträgt eine glückliche Beziehung?

Ein Beziehungs-Klassiker: Er hat es wieder falsch gemacht. Die Wäsche falsch / nicht aufgehängt. Den Müll nicht runter gebracht. Oder Sie hat den Kindern schon wieder erlaubt Gameboy zu spielen. Oder sie ist einfach zu dick. Und so weiter und so weiter.

Ein Paar streitet sich vor meinen Augen. Oder eigentlich ist es kein Streit. Vielmehr geht es darum „zu gewinnen“, „Recht zu haben“, „dem Anderen eins auzuwischen“. Sie rollt hinter seinem Rücken mit den Augen. Er schüttelt den Kopf über das was Sie sagt, während ich es  sehen kann.

2 Menschen, die einander zuhören

Aus meiner Praxis weiß ich, dass dies der erste apokalyptische Reiter ist: Die Kritik  

Einige Beispiele für Kritik sind

  • Destruktives Verhalten,
  • Vorwürfe,
  • anklagende Aussagen und
  • vor allem kritische Aussagen zum Verhalten des Partners / der Partnerin.

Das sind die Kennzeichen, dass diese erste Vorstufe zur Trennung in die Beziehungs-Kommunikation Einzug gehalten hat. Spätestens hier beginnt die Beziehungsarbeit. Denn wenn wir diese Art von Bemerkungen und Aussagen tätigen zwingen wir unseren Partner / unsere Partnerin in eine Abwehrhaltung, in einen Gegenangriff, zu negativer Kommunikation. Es ist in den meisten Fällen nicht möglich aus dieser Negativ-Spirale rauszukommen AUSSER Sie tun es selbst. D.h. sie machen keine destruktiven Bemerkungen, rollen nicht mit den Augen und vermeiden anklagende Aussagen. Doch das alleine reicht nicht.

Was kann ich tun? Positive Kommunikation ist die Lösung. Wichtig ist es die Vorzüge der Partnerschaft, das was der/die Andere gut macht hervorzuheben und vor allem – sich selbst daran zu erfreuen. Denn wenn wir negative Kommunikation anwenden haben uns schon entschieden GEGEN den Anderen. Und daraus kann keine positive Kommunikation enstehen.

Tipps für positive Kommunikation:

  • A smile a day keeps the Beziehung OK. JA, das meine ich ernst. Ein Lächeln hilft einer Beziehung schon auf den Weg.
  • Dann eine Berührung. Eine Umarmung. ein Kuss. Mehr als einmal am Tag. Damit ensteht wieder mehr Nähe.
  • Positive Kommunikation: 5 mal so oft wie negative Kommunikation. Jeden Tag. Fangen Sie heute damit an. Kleine Sachen wie „Dein ….(Shirt, Krawatte, Schuhe) gefällt mir“ oder „Super gekocht.“ oder „schmeckt mir sehr gut“.

Zurück zur ursprünglichen Frage: Wieviel Kritik verträgt eine glückliche Beziehung? Viel, wenn die Kritik nicht die Kennzeichen des ersten apokalyptischen Reiters beinhält. Denn Kritik in der Beziehung ist wichtig. Sagen Sie rechtzeitig, wenn Ihnen etwas nicht gefällt, passt. Aber geben Sie dabei darauf Achtung von sich selbst zu sprechen. Davon wie es Ihnen geht. Was Sie brauchen. Was Sie gerne ändern würden. Wie Sie ihrem Partner / ihrer PartnerIn helfen können. Denn dann wird es leichter für ihr Gegenüber ihre Bedürfnisse zu erkennen und auf diese einzugehen.

Ich wünsche gutes Gelingen beim Ausprobieren!

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Was ist für die Beziehung besser? Beziehungspflege oder Beziehungsarbeit?

Arbeiten wir an unserer Beziehung oder pflegen wir sie? Ist Beziehungspflege und Beziehungsarbeit das Gleiche? Pflege = Arbeit? Ich denke nicht.

Wie komme ich auf die Frage? Von den Besuchern meines Blogs kann ich sehen, dass BEZIEHUNGSARBEIT in den letzten 3 Monaten der Begriff ist mit dem die Meisten über Google meinen Blog gefunden haben. Beziehungsarbeit scheint ein Begriff zu sein, unter dem sich Männer und Frauen was vorstellen können.

Was ist Beziehungsarbeit? Ich mache mich im Internet auf die Suche und stosse auf verschiedene Quellen, wie wikipedia, Duden, Hochzeitsseiten , Familienhandbuch aber auch wissenschaftliche Arbeiten, in denen es bei Beziehungsarbeit um den Aufbau der Beziehung zwischen Patient und Therapeut geht.

Beziehung wird somit sehr oft mit Arbeit assoziiert nach dem Motto „Leisten wir mal Beziehungsarbeit“  gilt Beziehung = Arbeit.

Nach meiner Erfahrung mit Paaren findet Beziehungsarbeit vor der Beziehungspflege statt. Weil wir uns die Beziehung überhaupt erst einmal erarbeiten, bevor wir sie pflegen können. Wenn bei einer bestehenden Beziehung Beziehungsarbeit notwendig wird, ist die Beziehung bereits in einer Schieflage. Während Beziehungspflege dafür sorgt, dass Beziehungsarbeit nicht notwendig sein wird.

Verkürzt gesagt:

Kennenlernen + Beziehungsarbeit = Beziehung.

Beziehungspflege erhält diese Beziehung und fördert sie. Wenn keine Beziehungspflege stattfindet, ist wieder Beziehungsarbeit erforderlich. Und zwar oft mit Hilfe von Dritten Personen, während Beziehungspflege ohne die Hilfe Dritter möglich ist.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Pflege und Arbeit wichtig? Weil es bei der Beziehungspflege um Aktivitäten geht, die wir gerne für die Beziehung setzen.

Tipps zu Aktivitäten und Beziehungspflege finden Sie im Beziehungs-Ratgeber:

  • Eine Übersicht über die 5 Phasen einer Beziehung, sowie darüber was passiert, wenn wir unsere Beziehung nicht pflegen finden Sie hier.
  • Happy Messages: Nonverbale Kommunikation und positive Kommunikation für Paare. Spielerisches verbunden mit Beziehungspflege. Mehr dazu hier.

Viel Spaß und gutes Gelingen!

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Wie sehr verachten Sie Ihren Partner / Ihre PartnerIn?

„Gar nicht“,  ist hier bei vielen die automatische Reaktion. Doch das ist oft leider nicht wahr. Denn wir gehen davon aus, dass Verachtung ein starkes eindeutiges Signal in der Partnerschaft ist. In Wahrheit reicht es schon, wenn ich mit den Augen rolle, wenn meine Frau etwas sagt, dass ich nicht akzeptiere. Dies ist bereits ein Zeichen der Verachtung. Sie  denken ich übertreibe? Leider nicht. Denn bei Verachtung handelt es sich um einen der vier apokalyptischen Reiter, der die Beziehung auf den Weg der Trennung / Scheidung schickt.

Klar ist, dass nicht ein mal Augen rollen reicht, um hier das Ende der Beziehung einzuläuten. Vielmehr ist es wichtig festzustellen, ob das Verhältnis zwischen positiver und negativer Kommunikation in der Beziehung noch stimmt. Und ob Kritik und Verachtung bereits Einzug gehalten haben in jede oder nur in einige Diskussionen?

Verachtung drücken wir aus durch zynischen Bemerkungen, Provokationen, Beleidigung und Abwertung. Das Ziel ist es den Partner / die Partnerin zu beleidigen und die Gefühle zu verletzen.

Wie kann ich feststellen, ob ich den Partner verachte? Indem ich mich frage ob ich negative, abwertende Gedanken denke über meine Partnerin/meinen Partner? Hier einige Beispiele dafür:

Sie denken, Ihr Partner / Ihre Partnerine ist…

  • verantwortungslos
  • inkompetent
  • dumm
  • Scheiße

Weitere Kennzeichen sind

  • feindseliger Humor,
  • Spott und
  • wenn ich den /die Andere lächerlich mache in Gegenwart dritter Personen. Denn gerade wie ich miteinander in Anwesenheit von fremden Personen miteinander umgehe, sagt viel über die Beziehungsqualität aus.

Was kann ich tun, wenn ich begonnen habe IHN/SIE zu verachten?

  • Erinnern Sie sich an die guten Zeiten miteinander. Wie hat die Beziehung angefangen? Was hat Ihnen damals an IHM /IHR besonders gut gefallen? Versuchen Sie ein Bild, eine Erinnerung zu finden, dass Sie daran erinnert und stellen Sie dieses so auf, dass Sie es immer sehen, wenn Sie miteinander sprechen. Es wird Ihnen helfen, die „gute Seite“ an Ihrem Partner / Ihrer Partnerin zu sehen.
  • Versuchen Sie auf die Kennzeichen der Verachtung (z.B. Augen rollen) zu verzichten. Atmen Sie tief aus und nehmen Sie sich vor sich nicht oder weniger zu ärgern.
  • Drehen Sie an Ihrer Kommunikation: Versuchen Sie positive Kommunikation statt negative Kommunikation. Sie werden sehen – es funktioniert. Dies kann dauern. Denn Ihr Gegenüber braucht Zeit und Zeichen, um dem neuen Frieden zu trauen.
  • Finden Sie ein neues Ritual: Fangen Sie an für ihren Partner etwas positives zu tun. Ohne zu erwarten und hoffen, dass ER/SIE etwas dafür zurück gibt. Nehmen Sie sich vor, dies immer öfter zu versuchen. Bis der apokalyptische Reiter weg ist.

Und was ist wenn es nicht geht? Dann nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie miteinander. Über das was Sie ärgert. Aber auch über das was Ihnen an der Beziehung gefällt. Versuchen Sie dabei bei sich und ihren eigenen Gefühlen zu bleiben. Sprechen Sie über Ihre Bedürfnisse z.B. an Unterstützung, Wertschätzung, Nähe, Zärtlichkeit, gemeinsame Zeit, Hilfe, Interesse. Je nachdem worum es geht.

Quelle Foto: Flickr Foto von Nils Rinaldi

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Romantische Filme zerstören die Liebe in einer Beziehung

Es ist Freitag Abend und im TV läuft ein romantischer Film. Nach Überwindung vieler Widerstände kriegen sich die Liebenden am Ende und spazieren gemeinsam in den Sonnenaufgang in Richtung eines ewig glücklichen Lebens.

Paartherapeuten haben festgestellt, dass viele Paare an diese Film-Geschichten glauben. Sie sind „happy-ever-after addicts„. Ebenso wie Paare glauben, dass Sex perfekt sein muss. Gemeinsamer Orgasmus ist eh klar. Die Macht der Bilder, die wir in TV und Internet sehen ist so stark, dass wir in unseren Beziehungen unter Druck geraten, wenn wir es nicht schaffen ewige romantische  Verliebtheit aufrechtzuerhalten.

Romantische Momente: Vom 6 Sekunden-Kuss bis zum Sex
Romantische Momente: Vom 6 Sekunden-Kuss bis zum Sex

Laut einer australischen Umfrage in der 1000 Personen befragt wurden, meinte fast die Hälfte der Befragten, dass romantische Komödien ihren Blick auf ideale Beziehungen zerstört hätte. Therapeutin Gabrielle Morrissey meint, dass nur wenige Stunden Romantik-Kino die Beziehung für Wochen und Monate belasten kann.

Ist eigentlich schon jemanden aufgefallen, dass die meisten Filme aufhören, wenn die Paare glücklich zusammen gefunden haben? In der realen Beziehungswelt beginnt erst dann die Beziehung. Paare ziehen zusammen, richten Wohnung / Haus gemeinsam ein, planen Familie zu gründen, kriegen Kinder, heiraten, etc. etc. Viele dieser Momente werden in Filmen romantisiert behandelt. Und daher zerstören diese idealisierten Bilder laut einer britischen Studie auch viele Beziehungen.

Wir erwarten vom Partner, dass er – so wie im Film – uns die Wünsche von den Lippen lesen kann. Doch leider ist dies nicht der Fall. Vielmehr müssen wir dazu imstande sein unsere eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle mit Worten auszudrücken. Und nicht nur das – wir müssen daran arbeiten, dass unser Partner / unsere Partnerin versteht was wir meinen. Auch das ist ein Teil der Beziehungsarbeit.

Tue Dir was Gutes und stelle keine unrealistischen Anforderungen an Deine Beziehung. Schaue weiterhin romantische Filme und nimm es mit Humor, wenn es einmal bei Euch nicht so klappt. Redet darüber. Findet euch – abseits von Film und Fernsehen.

Ein kleiner Tipp: Schalte den Fernseher mal einen Abend lang aus. Es hilft. Denn wie sagt ein altes Sprichwort: „Beim Reden kommen die Leute zusammen“.

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