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Die Scheidung aus Perspektive der Kinder

Welche Auswirkungen haben Scheidungen auf Kinder? Was geht in ihnen vor, wenn Sie Scheidungskinder werden?

Annahmen der Erwachsenen: Wir Erwachsene glauben, dass die Kinder verstehen was wir sagen. Dass Sie den Ehe-Alltag gleich bewerten und verstehen, wie wir es tun. Dass Sie Konflikte, Gewalt, Auseinandersetzungen, Tränen, Schreien, etc. verstehen und somit auch die Trennung/Scheidung als logische Folge mittragen. Eltern glauben laut der amerikanischen Professorin für Psychologie Judith S. Wallerstein, dass ihre Kinder Alkoholismus, Missbrauch, Konflikte einordnen und verstehen können. Oft sprechen sie daher gar nicht mit ihren Kindern, sondern setzen diese vor vollendete Tatsachen. Wenn sich die Eltern schämen über das was die Kinder gesehen  haben, reden die Eltern noch weniger und noch kryptischer mit den Kindern.Fotograf: Herbert Haderer

Realität der Kinder: Die Kinder sehen die Gewalt. Sie sehen die Tränen der Eltern. Sie verstehen diese jedoch nicht. Denn es geht hier um eine Eltern-Beziehung und deren Dynamik. Nicht um die Dynamik der Kinder. Bei einer Scheidung wünschen sich die Kinder nur eines: Das die Scheidung aufhört. Das die Eltern wieder zusammen kommen. In verschiedenen Reaktionsmustern versuchen Kinder dies zu erreichen. Sie bestrafen ihre Eltern durch Liebesentzug auffälliges und unauffälliges Verhalten, Loyalität zum Partner der verlassen wurde, etc.etc. Über viele Jahre(!) arbeiten sie daran, dass die Eltern wieder zusammen kommen. Unabhängig davon, ob die Eltern wieder mit jemanden zusammen sind. Oder verheiratet sind. Denn wer sich einmal scheiden lassen hat – so die Logik der Kinder – kann dies wieder tun….

Folgen für die Kinder: Durch Scheidungen werden Kinder zutiefst verunsichert. Mit einem Schlag hört ihre Kindheit auf. Sie müssen sich plötzlich mit Dingen auseinander setzen, die ihre Kindheit (zer)stört. Mit Dingen, die sie oft noch nicht verstehen können. Das Weltbild der Kinder besteht aus Mutter, Vater und Kind. Sie befürchten, dass die Eltern nun auch sie verlassen werden. Denn das wäre der logische nächste Schritt, bzw. das kann passieren – aus Sicht der Kinder. Die Scheidungen traumatisieren die Kindern, indem sie ihren Blick fixieren auf die nicht mehr vorhandene Beziehung der Eltern. Die Kinder lernen vor ihren Augen, dass Beziehungen nicht funktionieren.

Was kann ich dagegen tun?

1. Vor der Scheidung: Mit meinen Kindern reden. Unabhängig davon, wie es mir gerade geht. Versuchen es ihnen „altersgerecht“ zu erklären. Nicht annehmen, dass die Kinder „eh wissen“ was los ist, weil sie es gesehen haben. Vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass dies nicht der Fall ist. Dass sich die Kinder einen eigenen Reim darauf gemacht haben was los ist.

2. Nach der Scheidung: Dafür sorgen, dass die Kinder Möglichkeiten haben, darüber zu reden, wie es ihnen geht. Sei es durch professionelle Betreuung. Sei es mit Menschen in der Familie, denen sie trauen. Denn Kinder tragen die Erfahrung der Scheidung der Eltern oft jahrelang mit sich herum. Es prägt ihre Beziehungswelt, ihre Vorstellung davon was „normal“ ist. Sie halten oft jahrelang an der Hoffnung fest, die Eltern wieder zusammen zu bringen. Weil es das ist was sie oft am meisten brauchen. Ein Zuhause, das funktioniert. Denn die Schwierigkeiten der Eltern kriegen sie oft nicht mit. Oder verstehen sie nicht.

3. Ihre Tipps: Wie haben Sie es selbst erlebt? Wie haben Sie ihre Kinder informiert? Welche Schwierigkeiten sind dabei aufgetaucht? Schreiben Sie darüber und erzählen Sie von Ihren eigenen Erfahrungen.

Zum Buch „Scheidungsfolgen – die Kinder tragen die Last. Eine Langzeitstudie über 25 Jahre: Judith S. Wallerstein hat gemeinsam mit Julia M. Lewis und Sandra Blakeslee über 25 Jahre lang Scheidungskinder interviewt. Und zwar vom Anfang der Scheidung, bis 25 Jahre danach. So wurden aus den Kindern Erwachsene. Die drei Forscherinnen begleiteten die Kinder durch ihre Kindheit, Jugend, erste Beziehung, erste Ehe und erste Scheidungen. Dabei versuchten Sie festzustellen, ob es in der Entwicklung von Scheidungskindern Unterschiede gibt zu Kindern, die aus „glücklichen“ Familien stammen, bzw. aus Familien in denen es zu keiner Scheidung gekommen ist.

Das Buch finden Sie (mit Auszügen) hier.

Quelle Foto: Herbert Haderer

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2 Gedanken zu „Die Scheidung aus Perspektive der Kinder

  1. Aus meiner eigenen Erfahrung:
    Ich habe meine Mutter gefragt, warum sie nie daran gedacht hat, sich von meinem Vater zu trennen, weil er weder zu ihr noch zu seinen Töchtern liebevoll war, sondern ein Haustyrann, den wir Kinder gefürchtet haben (meine Mutter nicht, weil sie ihn doch einmal geliebt hat). Die Folge war, dass die Töchter sehr schnell – und meine Schwester sehr weit – Ägypten – das Elternhaus verlassen haben. Die sogenannte heile Familie war für mich kein Vorbild, sondern wahrscheinlich Grundstein, solche Verhältnisse nicht durchzuhalten.
    Meine Tochter hat ihren Vater sehr geliebt und mich damit „gestraft“, dass sie mich gemeidet hat (z.B.: zu dir kann man ja nicht kommen, du hast ja nicht einmal einen Fernseher) das hat einige Zeit sehr geschmerzt, hat sich aber mit den Jahren gebessert.
    Wir haben als Geschiedene auch immer versucht, den Kindern mitzuteilen, dass wir eben nicht aushalten, ständig zusammenzuleben, aber dass wir doch irgendwie zusammengehören durch gemeinsame Urlaube, Geburtstags-, Weihnachtsfeiern..und dass wir beide für sie da sind.

  2. Super Beitrag! Ich werde da noch mal nachhaken!

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