Die Buhmann-Position: Was Trennungen hemmt

In meiner Praxis als Mediator treffe ich oft auf die Buhmann-Position. Die Buhmann Position möchte keiner in einer funktionierenden Beziehung gerne einnehmen. Bei Trennungen und Scheidungen ist die Buhmann-Position der weiße Elefant im Raum. Jeder spürt dessen Anwesenheit und keiner möchte den Elefanten (= die Trennung) und dessen oft erdrückende Klarheit und Anwesenheit ansprechen.

Trennungen einleiten

Trennungen und Scheidungen sind nicht nur tiefe Einschnitte im Leben, sondern auch sehr schwierig einzuleiten. Dies ist zumindest meine Erfahrung als Mediator, wenn Paare vor mir sitzen. Keiner von beiden möchte „die Trennung“ aussprechen. Oft sitzen Paare vor mir und beide sind vermeintlich noch an einer Beziehung interessiert. Erst im Laufe der Mediation wird deutlich, dass dies so nicht stimmt. Einer / eine von beiden ist bereits emotional ausgestiegen aus der Beziehung. Oft wird dies deutlich, wenn die Beziehung kalt geworden ist und nicht mehr gestritten wird.

Trotz innerer Klarheit fällt es uns schwer die Trennung auszusprechen. Woran liegt das? Es verhält sich ähnlich wie bei Kündigungen. Wir sind nicht gern der Bote mit der schlechten Botschaft, der dann den Zorn, Ärger, Wut oder Trauer der betroffenen Person abbekommt. Dies mag einer der Gründe sein, dass wir unangenehme Mitteilungen hinauszögern oder anderen Menschen in den Mund legen wollen. Dazu kommt die „Buhmann-Position“. Derjenige/diejenige, die es als erster ausspricht, dass es hier um eine Trennung geht, ist der Buhmann / die Buhfrau. Der Partner kann dann jederzeit behaupten, dass die Trennung vom anderen ausgegangen sei. Mann selbst würde „nur“ reagieren. Das dies eine Verkürzung der Wahrheit ist, scheint dann oft nebensächlich. Hier höre ich oft Sätze wie „Du wolltest ja nicht mehr. Was soll ich da tun?“ oder „Er hat die Beziehung beendet. Ich habe noch darum gekämpft.“ Somit wird es klarer warum es sich um eine Buhmann-Position handelt…..

Beziehungs-Mikado: Wer sich als erster bewegt…..

Was ist Beamten-Mikado? Der erste, der sich bewegt hat verloren. So geht ein Witz den ich vor Jahren einmal gehört habe. Stereotyp und nicht meine Meinung. Wenn ich es jedoch anwende auf Beziehungen, frage ich mich ob es im Beziehungs-Mikado nicht genauso ist?

Wenn die Beziehung im Regen steht

Stellen Sie sich vor, Sie streiten miteinander. Wer gibt nach? Wer „bewegt“ sich? Und wie wird dies in Beziehungen vom Partner aufgefasst? Als „Nachgeben“, „klein begeben“ oder „Schuld eingestehen“?

Beziehungs-Mikado gibt es (leider). In vielen Beziehungen gibt es einen klassischen Streitablauf, ebenso wie einen klassischen Versöhnungsablauf. Es bewegt sich oft zuerst die Person, die es am Wenigsten aushält im Streit / Konflikt zu verharren.

Doch was passiert dann mit der Beziehung? Ebenso wie Kommunikation sich abnutzt, ist dies auch mit dem Auflösen von Unstimmigkeiten und Streitigkeiten. Wenn die Lösung / Bewegung meistens von einer Person ausgeht, wird diese mit der Zeit müde. Der /die Andere hat sich auf diese Form der Streitlösung bereits gut eingerichtet und merkt oft nicht, dass die Luft aus der Beziehung draußen ist.

Ein Fall aus der Praxis

Neulich war ein Paar bei mir, deren Beziehungs-Mikado statisch geworden war. Die Frau hatte sich immer um die Auflösung gekümmert. Sich bewegt. Der Mann hatte damit kein Problem, denn es ging aus seiner Sicht ja um ihre Bedürfnisse. Irgendwann hat die Frau sich nicht mehr bewegt. Ist ausgezogen. Der Mann hat darauf nicht reagiert. Eigentlich ist die Beziehung dann tot. Wenn der Mann nicht mehr reagiert auf Aktionen der Frau.

In dem Fall mit diesem Paar wollte er eigentlich die Beziehung nicht mehr. Er wollte sie aber auch nicht beenden. Somit kamen ihm die Aktionen seiner Partnerin genau recht. Denn er wollte nicht den „Buhmann“ erhalten dafür, „ES“ (=DIE TRENNUNG) auszusprechen. Bequem war er auch. Solange sie da war, war es besser als wenn sie nicht da war. Aber nur keine Wellen. Keine Aufregung.

Für SIE war das zu wenig. Sie wollte mehr von der Beziehung. Und setzte Aktionen. Die letztendlich den Anfang vom Ende einläuteten.

Was können wir daraus lernen?

  • Einseitige Bewegung (einer reagiert, der andere nicht ODER einer ist immer die Person, die als erste/erster agiert) ist für die Beziehung auf Dauer schädlich.
  • Sehen Sie sich in ihrer Beziehung an, wer immer als erster wieder „zurück kommt“ , „mit dem Komunizieren beginnt“. Und ändern sie dies. Oder sprechen Sie es an. Denn für die gegenseitige Wertschätzung gehören beide in der Beziehung dazu.

Ausgeglichene Beziehungspflege ist Beziehungs-Arbeit, die sich lohnt. Es sei denn Sie wünschen sich den klassischen Verlauf der Kommunikation in einer Beziehung. Dann sollten Sie im Beziehungs-Mikado verharren.

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