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Wie reagieren Kinder auf eine Scheidung?

Eine Scheidung bei Paaren mit Kindern hat – zumindest – 2 Ebenen. Auf der einer Ebene geht es um die Trennung der Erwachsenen. Zwei Partner gehen auseinander. Auf der anderen Ebene geht es um die Trennung als Eltern. Diese Trennung wirkt sich primär auf die Kinder aus. Denn für die Kinder trennen sich nicht Mann und Frau, sondern die Eltern. Es kommt zu einem Bruch ihrer Normalität und ihres Alltags. Unabhängig vom Trennungsmodell müssen Kinder nach der Scheidung abwechselnd auf einen Elternteil verzichten.

Die Paar-Ebene der Scheidung
Die Paar-Ebene der Scheidung

Die Reaktionsmuster von Scheidungskindern

Auf die Trennung ihrer Eltern reagieren Kinder sehr unterschiedlich. Laut der dänischen Familientherapeutin Ana Prip Brandt gibt es hier drei verschiedene Reaktionsmuster:

  • Einfrieren
  • Flucht
  • Angriff

In allen drei Fällen registrieren Eltern eine Distanz zwischen sich selbst und ihren Kindern.  Denn Kinder fangen an  zu überlegen, was sie ihren Eltern „zumuten“ können. Die Kommunikation der Kinder mit den Eltern verändert sich. Dies betrifft vor allem die Dinge über die Kinder gerne aus freien Stücken mit ihren Eltern sprechen.

Das Gefühl der Einsamkeit bei Scheidungskindern

Ein weitere Folge von Scheidungen ist für viele Kinder das Gefühl der Einsamkeit. Der Fokus liegt bei den Eltern (denn es ist ja „ihre“ Scheidung, „ihr Drama“). Somit versuchen die Kinder den Eltern „zu helfen“. Viele Kinder fühlen sich bei Scheidungen und vor allem danach einsam und alleine gelassen.

Dies wird dadurch bestätigt, dass wesentlich weniger Kinder professionelle Hilfe und Begleitung erhalten als Erwachsene.

Laut einer Untersuchung in Dänemark erhalten nur 11% der Kinder Unterstützung um die Krise, die eine Scheidung darstellt zu meistern. Im Vergleich dazu suchen 29% der Eltern Hilfe und erhalten diese. In Dänemark sind die Zahlen zudem weit „positiver“ als dies in vielen anderen Staaten der Fall ist, da das Scheidungssystem eine staatliche Begleitung und professionelle Unterstützung vorsieht. Der Staat finanziert z.B. Mediation, Coaching und psychologische Hilfe. In Österreich und Deutschland ist diese Form der professionellen Unterstützung in vielen Fällen selbst zu finanzieren. In einigen Fällen werden Mediationen und psychologische Unterstützung vom Staat mitfinanziert. So oder so ist es noch nicht „üblich“ sich oder den eigenen Kindern im Falle einer Scheidung professionell begleiten zu lassen. Dennoch erlebe ich bei einer steigenen Anzahl meiner Klienten und Klientinnen, dass sie dazu bereit sind ihre Kinder im Laufe der Scheidung und danach begleiten zu lassen.

Hilfe! Ich halte es nicht mehr aus.
Hilfe! Ich halte es nicht mehr aus.

Was kann ich tun, wenn ich Hilfe brauche?

Lassen Sie sich helfen. Suchen Sie einen Familientherapeuten / eine Familientherapeutin, der/die diese schwierige Zeit des Übergangs begleitet. Dies ist nicht nur für Sie wichtig, sondern primär für ihre Kinder. Und für die Kommunikation zwischen Ihnen und ihren Kindern.

Denn für die Kinder bleibt die Trennung unklar. Die Ursachen nicht nachvollziehbar. Die Veränderung sehr real. Die Auswirkung in auf ihre Alltagssituation auch. Denn ab sofort fehlt einer von beiden. Ab sofort fühlen sich die Kinder verantworlich für das Wohl des Elternteils der mehr leidet, bzw. sich als Opfer outet. Damit kommen Kinder in eine Situation, Verantwortung für das Wohl ihrer Eltern zu übernehmen. Ob sie das wollen oder nicht. In den Gedanken der Kinder spielen sich Dinge ab, die da streng genommen nicht hingehören.

Wie reagieren Kinder langfristig auf eine Scheidung?

Langfristig zeigen Studien, dass sich Kinder für die Scheidung direkt verantwortlich fühlen. Oft ist dies der Fall, da sich die Eltern oft über Erziehung, Alltagssituationen mit Kindern gestritten haben. Dabei erscheint es mir wesentlich zu verstehen, dass bei Kindern im Fall der Scheidung etwas anderes „abgeht“ als bei Erwachsenen. Und dass Erwachsene oft so in die eigenen Gefühle und Bedürfnissse verstrickt sind während der Scheidung, dass sie gar nicht oder nicht wirklich mitkriegen was sich bei den Kindern abspielt. Gerade strittige Scheidungen und Trennungen binden die Energie der Erwachsenen und zwingen den Fokus auf den ungeliebten Ex / die ungeliebte Ex. Somit fehlt oft die Energie sich mit der Situation der Kinder auseinanderzusetzen.

Scheidung und Trennung
Scheidung und Trennung

Gerade deshalb ist es wichtig, sich vor der Entscheidung zur Trennung Hilfe zu suchen. Dies ist einerseits Hilfe für einen selbst (z.B. Coaching, Mediation) und andererseits Hilfe für die Kinder. Scheidungen sind langfristige Einbrüche und Knicke in der eigenen Lebennsgeschichte. Dazu kommt die Auswirkung auf die langfristige Bindungsfähigkeit und Bindungssicherheit der Kinder.

Egal was Sie vorhaben – holen Sie sich rechtzeitig Hilfe. Damit es für alle direkt und indirekt beteiligten Personen einfacher wird.. Studien zeigen, dass Trennungen und Scheidungen Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und das eigene Leben haben wir ein Tod einer nahestehenden Person. Nehmen Sie Ihre Scheidung ernst. Lassen Sie sich begleiten. Damit Sie über die Folgen und Auswirkungen für alle Beteiligten Bescheid wissen und rechtzeitig agieren können.

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Die Buhmann-Position: Was Trennungen hemmt

In meiner Praxis als Mediator treffe ich oft auf die Buhmann-Position. Die Buhmann Position möchte keiner in einer funktionierenden Beziehung gerne einnehmen. Bei Trennungen und Scheidungen ist die Buhmann-Position der weiße Elefant im Raum. Jeder spürt dessen Anwesenheit und keiner möchte den Elefanten (= die Trennung) und dessen oft erdrückende Klarheit und Anwesenheit ansprechen.

Trennungen einleiten

Trennungen und Scheidungen sind nicht nur tiefe Einschnitte im Leben, sondern auch sehr schwierig einzuleiten. Dies ist zumindest meine Erfahrung als Mediator, wenn Paare vor mir sitzen. Keiner von beiden möchte „die Trennung“ aussprechen. Oft sitzen Paare vor mir und beide sind vermeintlich noch an einer Beziehung interessiert. Erst im Laufe der Mediation wird deutlich, dass dies so nicht stimmt. Einer / eine von beiden ist bereits emotional ausgestiegen aus der Beziehung. Oft wird dies deutlich, wenn die Beziehung kalt geworden ist und nicht mehr gestritten wird.

Trotz innerer Klarheit fällt es uns schwer die Trennung auszusprechen. Woran liegt das? Es verhält sich ähnlich wie bei Kündigungen. Wir sind nicht gern der Bote mit der schlechten Botschaft, der dann den Zorn, Ärger, Wut oder Trauer der betroffenen Person abbekommt. Dies mag einer der Gründe sein, dass wir unangenehme Mitteilungen hinauszögern oder anderen Menschen in den Mund legen wollen. Dazu kommt die „Buhmann-Position“. Derjenige/diejenige, die es als erster ausspricht, dass es hier um eine Trennung geht, ist der Buhmann / die Buhfrau. Der Partner kann dann jederzeit behaupten, dass die Trennung vom anderen ausgegangen sei. Mann selbst würde „nur“ reagieren. Das dies eine Verkürzung der Wahrheit ist, scheint dann oft nebensächlich. Hier höre ich oft Sätze wie „Du wolltest ja nicht mehr. Was soll ich da tun?“ oder „Er hat die Beziehung beendet. Ich habe noch darum gekämpft.“ Somit wird es klarer warum es sich um eine Buhmann-Position handelt…..

Beziehungs-Mikado: Wer sich als erster bewegt…..

Was ist Beamten-Mikado? Der erste, der sich bewegt hat verloren. So geht ein Witz den ich vor Jahren einmal gehört habe. Stereotyp und nicht meine Meinung. Wenn ich es jedoch anwende auf Beziehungen, frage ich mich ob es im Beziehungs-Mikado nicht genauso ist?

Wenn die Beziehung im Regen steht

Stellen Sie sich vor, Sie streiten miteinander. Wer gibt nach? Wer „bewegt“ sich? Und wie wird dies in Beziehungen vom Partner aufgefasst? Als „Nachgeben“, „klein begeben“ oder „Schuld eingestehen“?

Beziehungs-Mikado gibt es (leider). In vielen Beziehungen gibt es einen klassischen Streitablauf, ebenso wie einen klassischen Versöhnungsablauf. Es bewegt sich oft zuerst die Person, die es am Wenigsten aushält im Streit / Konflikt zu verharren.

Doch was passiert dann mit der Beziehung? Ebenso wie Kommunikation sich abnutzt, ist dies auch mit dem Auflösen von Unstimmigkeiten und Streitigkeiten. Wenn die Lösung / Bewegung meistens von einer Person ausgeht, wird diese mit der Zeit müde. Der /die Andere hat sich auf diese Form der Streitlösung bereits gut eingerichtet und merkt oft nicht, dass die Luft aus der Beziehung draußen ist.

Ein Fall aus der Praxis

Neulich war ein Paar bei mir, deren Beziehungs-Mikado statisch geworden war. Die Frau hatte sich immer um die Auflösung gekümmert. Sich bewegt. Der Mann hatte damit kein Problem, denn es ging aus seiner Sicht ja um ihre Bedürfnisse. Irgendwann hat die Frau sich nicht mehr bewegt. Ist ausgezogen. Der Mann hat darauf nicht reagiert. Eigentlich ist die Beziehung dann tot. Wenn der Mann nicht mehr reagiert auf Aktionen der Frau.

In dem Fall mit diesem Paar wollte er eigentlich die Beziehung nicht mehr. Er wollte sie aber auch nicht beenden. Somit kamen ihm die Aktionen seiner Partnerin genau recht. Denn er wollte nicht den „Buhmann“ erhalten dafür, „ES“ (=DIE TRENNUNG) auszusprechen. Bequem war er auch. Solange sie da war, war es besser als wenn sie nicht da war. Aber nur keine Wellen. Keine Aufregung.

Für SIE war das zu wenig. Sie wollte mehr von der Beziehung. Und setzte Aktionen. Die letztendlich den Anfang vom Ende einläuteten.

Was können wir daraus lernen?

  • Einseitige Bewegung (einer reagiert, der andere nicht ODER einer ist immer die Person, die als erste/erster agiert) ist für die Beziehung auf Dauer schädlich.
  • Sehen Sie sich in ihrer Beziehung an, wer immer als erster wieder „zurück kommt“ , „mit dem Komunizieren beginnt“. Und ändern sie dies. Oder sprechen Sie es an. Denn für die gegenseitige Wertschätzung gehören beide in der Beziehung dazu.

Ausgeglichene Beziehungspflege ist Beziehungs-Arbeit, die sich lohnt. Es sei denn Sie wünschen sich den klassischen Verlauf der Kommunikation in einer Beziehung. Dann sollten Sie im Beziehungs-Mikado verharren.